cinéculture

Jean-Pierre L. D'Alpaos Filmempfehlung
Intouchables/Ziemlich beste Freunde
Regie: Eric Toledano; 112 Minuten; F 2011
Darsteller: François Cluzet, Omar Sy
Die Franzosen drehen die besten Tragikkomödien. Sie verstehen es tragische Schicksale trotz Humor und Witz nie ins Lächerliche abdriften zu lassen und mit dem notwendigen Ernst nicht auf die Tränendrüsen zu drücken. So geschehen im neuesten Filmerfolg aus Frankreich "Intouchables". Allein in Frankreich strömten im letzten Herbst 16 Mio. Menschen in die Kinos.
Der Film zeigt die Freundschaft zwischen einem gelähmten, schwerreichen Grossbürger und seinem vorbestraften Asylaufenthalter und "Pfleger". Aus anfänglicher kühler Distanziertheit kommen sich Philippe (Millionär) und Driss (Pfleger) auf sympathische Weise näher und werden Freunde. Aus den "Abenteuern" die sie zusammen bestehen ergibt sich eine Solidarität, die die Milieugrenzen ganz sanft aufbricht und dennoch respektiert wird. "Intouchables" lebt auch vom logischen Filmlauf und den Nicht-klischeehaften, witzigen Dialogen. Der Film ist einerseits die Geschichte von Parzivall: Die Entwicklung des thumben Thoren zum einsichtigen Menschen - andererseits die Geschichte des Grossbürgertums, das einsehen muss, dass es neben ihnen auch noch Menschen mit Würde und Ehre gibt, dass soziale und kulturelle Differenzen nicht mit Abneigung und Hass, sondern mit Solidarität zu begegnen ist.
Als erstes will der Film bloss unterhalten. Und er tut dies auf eine sehr gute Art. Driss der Afrikaner mit seiner unbeschwerten, lustigen, fröhlichen Art und seinem ansteckenden Lachen begeistert nicht nur den Zuschauer, sondern auch die starre, humorlose Bourgeoisie. Die "Abenteuer" die die beiden besten Freunde in Paris erleben, machen diesen Film zu einem unterhaltsamen Werk, mit einer ernsten Note, die die Tragik der beiden Hauptdarsteller nicht in den Hintergrund verdrängt. Es ist auch die sehr gute schauspielerische Leistung der beiden die den Film mit seinem flüssigen Tempo trägt, es kommt keine Langeweile auf.
Trotz der leichten Unterhaltung ist dieser Film sehenswert, da er nie mit erhobenem Finger und Besserwisserei, die gute Laune des Zuschauers stören will - und dennoch ist er sozialkritisch dadurch dass er immer wieder und unbemerkt auf die Situation beider schlicht und subtil hinweist. Übrigens: Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit.
Der Film ist bis auf Weiteres im Kino Capitol zu sehen.



